François-André Vincent: La Leçon de Labourage, Öl/Lw, 213 x 313 cm, 1793/98
Ein wunderschönes Bild in physiokratischer Lehre. Ein Landwirt - ganz im Stile der älteren emblematischen Symbolisierung von "Labor" und mit Handstellung des Schöpfers in Michelangelos "Erschaffung Adams" - unterrichtet einen Knaben aus der sterilen Klasse in der Führung eines Pfluges, den allein die Vertreter der produktiven Klasse - der Landwirtschaft - wirklich zu führen wissen.


Die ersten Gemälde mit Arbeitsszenen aus größeren Industriebetrieben des Bergbaus, der Eisenverarbeitung und auch anderen Wirtschaftszweigen stammen von dem Wallonen Léonard Defrance und dem Schweden Per Hillestroem, etwa aus der gleichen Zeit der Jahre 1775-1800. In beiden Ländern spielte die Industrie bereits eine bedeutsame Rolle. Allerdings bedurfte es durchweg noch des bereits genannten Tricks: man mußte einen herrschaftlichen Besuch erfinden, um solche profanen Bildvorwürfe, wie ihn der unmittelbare Produktionsprozeß darstellt, in Gemälde umzusetzen. Wir erhalten durch die Gemälde dieser beiden Maler vermutlich sehr realistische Einblicke in die damaligen Produktionsprozesse, die verwendeten Produktionsmittel und die Arbeitsbedingungen. Man kann wohl sagen, dass Defrance realistische Ansprüche hegt; seine Bilder sind inszeniert, kein naturalistischer Abklatsch der vermeintlichen Wirklichkeit. Herausgehoben stets die unmittelbaren Produktionsarbeiter in ihrer - meist kooperativen - Tätigkeit. Nahezu jedes Bild lebt darüberhinaus von der dargestellten Klassendifferenz. Die Herrschaft ist jeweils eindeutig gekennzeichnet durch Kleidung und Habitus; meist wirkt sie gegenüber den Arbeitern relativ lächerlich: an die Seite gerückt, etwas kleiner gemalt, inaktiv, puppenhaft; eine nutzlose, unproduktive Klasse.
Archiv BILDER DER ARBEIT |
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farbig umrandete Bilder
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1780...............................................................................................................................................1830
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Idealisierung und Romantisierung der Landwirtschaft |
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![]() Reynolds, J.: Landleute, 1788 |
![]() Goya, J. de: Weinlese, 1786 |
![]() Stubbs, G.: Beim Heumachen, 1785 |
![]() Vincent, F.-A.: La leçon de labourage, 1798 |
![]() Kobell, W.v.: Auf der Alm, 1829 |
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| Erste Industriegemälde | |||||||||||||
![]() Defrance, L.: Interieur einer Schmiede, ca. 1777 |
![]() Hilleström, P.: Ankerschmiede von Söderfors, 1782 |
![]() Lorentzen, C.A.: Hüttenwerk in Norwegen, 1790 |
![]() Turner, J.M.W.: Interieur einer Schmiede, 1797 |
![]() Loutherbourg, P.J. de: Coalbrookdale by Night, 1801 |
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![]() Weber, F.: Kgl.-Württ. Eisenschmelze zu Heidenheim, 1805 |
![]() Turner, J.M.W: Leeds, 1816 |
![]() Vogt, C.: Am Hochofenwerk Baerum, 1820 |
![]() Gastineau, H.: Eisenwerke in Nant-y-Llo, ca. 1829 |
![]() Gauermann, J.: Hochofenabstich, ca. 1823 |
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| Die Geschichte des Arbeitsbildes i.e.S. beginnt in den 1780er Jahren. Jetzt erst ist Arbeit als ein eigenständiger Bereich der Gesellschaft endgültig definiert, die Bildproduktionen beziehen sich nun zunehmend aufeinander, es ist eine Entwicklung festzustellen. Während traditionelle Motive wie z.B. die Kaufrufe und Handwerker zunehmend nostalgisch verkitschen, differenzieren sich Darstellungen der Landwirtschaft einerseits und der aufkommenden Industrie andererseits gegeneinander insofern aus, als die Landwirtschaft romantisierend und idyllisierend als der unschuldige Gegenpol zur Industrie positioniert wird. Singulär ist in diesem Kontext das Werk La Leçon de Labourage von Vincent, das den gesellschaftlichen Nutzen der Landarbeit idealisiert. Der Industrie nähern sich die Künstler von zwei Seiten: von der Landschaft und von dem Arbeitsprozess her. Die Landschaftsdarstellung befleißigt sich bis auf wenige Ausnahmen vorerst einer Fernsicht, um die neue visuelle Impression der Veränderung der Umwelt durch die Industrie aufzufangen. Auch der unmittelbare Produktionsprozess erscheint zunächst vor allem als visuelle Sensation, außer bei Defrance, der sich bereits für die technischen und sozialen Details interessiert, aber nur sehr kleinformatige Werke riskiert. Über die Folgen der Industrialisierung für die unteren Schichten, vor allem des Landes, wird eine erste um Realismus bemühte Bestandsaufnahme von dem Engländer George Walker in Form einer Lithografienfolge angefertigt. Stilmittel und Darstellungsformen bleiben weitgehend noch der Tradition verhaftet, eine neue Form für den neuen Inhalt ist noch nicht gefunden, wenn sich auch im Einzelfall, z.B. bei Turner, ein dynamischer Impressionismus abzuzeichnen beginnt, der die herkömmlich Statuarik überwindet und so ein wesentliches Merkmal der sich entfaltenden industriekapitalistischen Gesellschaft reflektiert. | |||||||||||||