Projekt
Arbeit in der Kunst im öffentlichen Raum
Projektbeschreibung, Kurzfassung, Stand Juni 2010
Die Darstellung menschlicher Arbeit in der bildenden Kunst ist zwar im Prinzip bislang ganz gut erforscht, ein durchaus wesentlicher Bereich ist aber bislang nur fragmentarisch dokumentiert und untersucht worden: die künstlerische Präsentation von Arbeit bzw. Arbeitern in Monumenten im öffentlichen Raum. Dabei trifft man auf sie an vielen Orten, wenn man nur darauf achtet: Plastiken von Arbeitern, Reliefs, Wandmalereien, Mosaiken, Bauschmuck verschiedenster Art findet man auf öffentlichen Plätzen und an Gebäuden, auf Friedhöfen und auch im Bereich von Firmengeländen.
Mitte des 19. Jahrhunderts entstehen in Deutschland erste Plastiken von Arbeitern; die Zeit von etwa 1900 bis 1945 kann nach bisherigen Recherchen als eine Hoch-Zeit des Arbeiter-Monumentes gelten, wenn auch nach dem 2. Weltkrieg durchaus noch zahlreiche neue Werke entstehen. Eine ganze Reihe öffentlicher Monumente der Arbeit ist untergegangen; dennoch haben zahlreiche Werke überlebt und führen heute ein teils erfreuliches, teils aber ein eher armseliges, vernachlässigtes Dasein, teils sind sie gar vom Untergang bedroht, solange nicht konversatorisch eingegriffen wird.
Darstellungen von Arbeitern im öffentlichen Raum lassen sich unter mehreren Aspekten als „Monumente“ verstehen. Sie sind in der Regel „monumental“ im Sinne von „groß“ (Arbeiterplastiken sind häufig sogar überlebensgroß) und ihre Funktion ist die der Erinnerung, und zwar in mehrfacher Weise: (1) Zum Zeitpunkt der Errichtung des Werkes soll z.B. die Erinnerung an ein bestimmtes Ereignis, eine Berufsgruppe oder an Arbeitstugenden (Fleiß, Produktivität) wach gehalten werden. Die Präsentation solcher Objekte im öffentlichen Raum hat dabei stets eine deklamatorische, bekennende oder auch progagandistische Funktion, stets ist sie Element kultur-, wirtschafts- oder sozialpolitischer Konzepte oder gar Strategien. (2) Aus heutiger Perspektive sind historische Arbeiterdarstellungen im öffentlichen Raum mindestens in zweifacher Hinsicht Monumente der Erinnerung. Zum einen erinnern sie nach wie vor an für bedeutend gehaltene Ereignisse (z.B. Grubenunglücke), an untergegangene Berufe (z.B. bestimmte Gewerke) oder Industrien (z.B. Bergwerke). In dieser Hinsicht erfüllen sie also weiterhin ursprünglich zugedachte Funktionen. Zum anderen können sie aber auch als Erinnerung an Konstellationen historischer Arbeitskulturen, politischer Verhältnisse und vorherrschender Ideologien dienen. Insbesondere unter diesem Aspekt sind sie wertvolle arbeitsarchäologische Artefakte, um vergangene kulturelle und politische Muster aufzudecken.
Das angestrebte Projekt zielt zunächst auf eine dokumentarische Bestandserfassung von Monumenten der Arbeit im öffentlichen Raum ab. Erst daran können sich wissenschaftliche Analysen und Interpretationen anschließen. Wünschenswert wäre im Prinzip eine umfassende Dokumentation solcher Werke in ganz Europa, auch um vergleichende Forschungen zu ermöglichen. Allerdings macht es unter arbeitsökonomischem Aspekt Sinn, sich zunächst auf eine Region zu beschränken, die aus Standortgründen relativ gut zugänglich ist, zu der auch bereits dokumentatorische Vorarbeiten geleistet wurden und einschlägige historische Kenntnisse bereits vorliegen. Dafür bietet sich das Land Nordrhein-Westfalen an, und hier ggf. zunächst die Rhein-Ruhr-Region, in welcher eine Vielzahl relevanter Objekte zu finden ist, die bereits zu einem Teil von den Projektinitiatoren erfasst wurden.
Sämtliche Werke werden in einer bereits entwickelten Objektdatenbank mit sämtlichen Informationen sowie mit fotografischen Aufnahmen gespeichert. Vorgesehen ist, die Dokumentationsergebnisse im Internet zu präsentieren und dem Publikum Gelegenheit zu geben, ggf. weitere Objekte bzw. weitergehende Informationen zu bereits erfassten Objekten rückzumelden. Die Website soll darüber hinaus genaue Standortangaben liefern und Exkursionsstrecken zum Besuch der Monumente vorschlagen. Zu einem nachfolgenden Zeitpunkt ist ein Handbuch vorgesehen, das auch als Exkursionsführer benutzt werden können soll.
Eine Kooperation mit den örtlichen öffentlichen Institutionen (Denkmalschutzbehörden, Archiven für Stadtgeschichte und dergl. mehr) ist einerseits unerlässlich, andererseits könnte das Projekt auch den zuständigen Behörden wertvolle Informationen über Standorte, Geschichte und den Zustand der Objekte liefern, damit ggf. konservatorische Maßnahmen ergriffen werden können. Erarbeitete Informationen könnten ggf. auch Grundlage für informative Objektbeschriftungen vor Ort sein.
Das Projekt ist initiiiert und bereits begonnen worden von Dipl-Ing. Manfred Jablonski, Bochum, und Prof. Dr. Klaus Türk, Wuppertal. Manfred Jablonski ist Spezialist insbesondere für die Kultur- und Wirtschaftgeschichte des Ruhrgebiets. Klaus Türk führt seit 30 Jahren das Projekt „Bilder der Arbeit“ durch, das sich mit der künstlerischen Darstellung menschlicher Arbeit befasst und neben zahlreichen Veröffentlichungen auch zum Aufbau des Archivs BILDER DER ARBEIT geführt hat.
Eine Website mit den bisherigen Forschungsergebnissen und Meldemöglichkeit für Objekte folgt demnächst.




