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Viele Bilder - Viel Arbeit

Rezensionsaufsatz für
Sozialwissenschaftliche Literatur Rundschau H. 2, 2001


VON GÜNTER VOSS, NICOLE SCHREITER

 

"Bilder der Arbeit" ist ein in vieler Hinsicht ungewöhnliches Buch - zumindest für soziologische Rezensenten. Das beginnt schon mit der üppigen Aufmachung, die mit 400 Seiten in Großformat und hard-cover eine im wahrsten Sinne des Wortes gewichtige Edition ergibt. Ein erstes Blättern zeigt dann, daß der Titel keineswegs täuscht - es geht wirklich um unzählige Bilder, fast ohne Ausnahme in hochwertiger farbiger Wiedergabe. Der Autor ist zudem ein bekannter Organisationssoziologe, der hier aber ausnahmsweise nicht eine weitere seiner viel beachteten theoretischen Arbeiten vorlegt, sondern nichts Geringeres als einen Überblick über die gesamte Kulturgeschichte künstlerischer Bilddarstellungen von Arbeit. Schließlich ist auch das Thema ´Bilder der Arbeit´ eher ungewöhnlich. Obwohl Arbeit seit jeher Grundlage von Gesellschaft ist, wurde sie (zumindest in Mitteleuropa) erst relativ spät, vor allem mit der Entstehung moderner Gesellschaften aus dem späten Mittelalter, in größerem Maße zum Gegenstand bildlicher Darstellungen. Kunstwissenschaftlich wurden zwar durchaus schon gelegentlich Einzelaspekte des Themas beachtet, umfassende Überblicke sind jedoch ausgesprochen rar. Nur "ganz selten", so schreibt der Autor zu Recht, "werden bezüglich unseres Themas bildkünstlerische Reflexionen des Verhältnisses von Kunst zur Arbeit angestellt, also gleichsam Meta-Bilder produziert" (S. 9). Der letzte große Versuch liegt bereits über 70 Jahre zurück. Damals war es Paul Brandt, der sich mit einer zweibändigen Veröffentlichung ("Schaffende Arbeit und bildende Kunst", Leipzig 1927/28) dem Thema Arbeitsbild zuwandte, um etwas über die Vergangenheit der Arbeit zu erfahren. Klaus Türk knüpft explizit an Brandt an, will (und kann) sich aber davon noch einmal abheben. Zum einen hat er die Chance (aber auch die nicht leichte Aufgabe) einige zusätzliche Jahrzehnte zu berücksichtigen, in denen die Zahl der Arbeitsbilder drastisch anstieg. Noch wichtiger ist, daß sich Türk, als Soziologe, ein spezifisches und anspruchsvolles Ziel setzt: Es geht ihm nicht um eine kulturhistorische oder gar kunstwissenschaftliche auf Stile, Ausdrucksmittel, Techniken usw. bezogene Zusammenstellung und Beurteilung von künstlerischen Darstellungen. Ihn interessieren Arbeitsdarstellungen als auf die Arbeitstätigkeit von Menschen bezogene bildliche Konstruktionen gesellschaftlicher Wirklichkeit: Bilder als visueller Ausdruck epochentypischer Sichten und damit gesellschaftlicher Interpretationen der menschlichen Arbeit und ihrer jeweiligen sozio-ökonomischen und technischen Rahmenbedingungen. Ob vom jeweiligen Künstler intendiert oder nicht, Bilder zum Thema Arbeit spiegeln für Türk die jeweilige politische und gesellschaftliche Situation. Dadurch eröffnet sich für ihn ein interessanter Weg, die jeweilige gesellschaftliche Haltung gegenüber dem Thema Arbeit und darüber schließlich die gesellschaftliche Stimmung einer Zeit insgesamt zu erfassen. Bilder der Arbeit sind für den Soziologen Türk also weniger kunsthistorische Artefakte als vielmehr Dokumente zur Realgeschichte von Arbeit, die er genau als solche und damit bewußt als Gesellschaftswissenschaftler für den Leser zusammenstellt und interpretieren möchte. Sogar die verwendete Materialbasis stellt noch eine beeindruckende Besonderheit des Buchs dar. Die präsentierten Bilder stammen aus einer Sammlung Klaus Türks, die im Lauf von 20 Jahren zu einem vollständig datentechnisch erfaßten Bestand von 30.000 aus aller Welt zusammengetragenen Bildern vom Mittelalter bis zur Gegenwart angewachsen ist. Angesichts dieser Fülle versteht man, wenn Türk bedauernd darauf verweist, daß er "nur" etwa 1.500 Bildwerke und nur einen "Bruchteil der ca. 3.500 Titel enthaltenden Datenbank des Verfassers" mit Literaturquellen zum Thema in sein Buch hat aufnehmen können. Wenn man dann noch liest, daß der Autor im Alleingang Abdruckrechte und reproduktionsfähige Vorlagen besorgt und die komplette Druckvorlage erstellt hat, ist ihm größter Respekt allein schon für seine unglaubliche Arbeitsleistung sicher. Türks Buch muß jedoch angesichts der Materialfülle nicht nur in der Breite auf den weitaus größten Teil seiner gesammelten Bilder verzichten, es nimmt auch (erklärtermaßen) nicht ganz folgenlose systematische Selektionen vor: Zum einen geht es wirklich nur um im engeren Sinne künstlerische Bilddarstellungen von Arbeit, so daß die insbesondere für die neuere Zeit natürlich unübersehbaren sonstigen Abbildungen (in den Massenmedien, in der Werbung usw.), sowie (bis auf einige Ausnahmen) die Skulptur und vor allem die Photographie fehlen. Zum zweiten wird das Thema Arbeit selber noch einmal eingeschränkt, indem auf kunstgeschichtlich traditionell wichtige Bildthemen, z.B. die Tätigkeiten von Jägern, Lehrern und Priestern oder die Arbeit in der Seefahrt, im Militär und nicht zuletzt im privaten Haushalt, weitgehend verzichtet wird. Eine dritte Beschränkung besteht darin, daß sich Klaus Türk auf den deutschsprachigen Raum sowie das westliche Europa (und teilweise die USA) konzentriert, wogegen Bilder zur Arbeit aus anderen Kulturkreisen (Osteuropa, Asien, Afrika, Südamerika) fehlen. Insgesamt geht es schließlich trotz der historisch weit zurückreichenden Perspektive eher um moderne (Erwerbs-) Arbeit mit einem auffälligen Schwerpunkt auf männlichen und körperlichen Tätigkeiten. Der Aufbau des Buchs zeigt eine weitere konzeptionelle Entscheidung des Autors. Vor die Wahl gestellt, systematisch oder historisch vorzugehen, hat er sich bewußt für eine Kombination von beidem entschieden: Begonnen wird mit einer nur wenige Seiten umfassenden historischen "Synopse", in der mit kurzen Kommentaren und exemplarischen Darstellungen eine grobe, thematische und stilistische Epochen andeutende Entwicklung der Arbeitsbilder skizziert wird. Der trotz seiner Knappheit informative Abriß zeigt vor allem, daß nach einer langen, eigentlich erst im 14. Jh. erkennbar einsetzenden Vorgeschichte die Blütezeit des künstlerischen Arbeitsbildes zwischen 1870 und 1945 liegt ("davor hat es kaum eine eigenständige Existenz, danach führt es ein eher randständiges Dasein", S. 21). Einen ersten Schwerpunkt des Buchs (Kapitel 3 - 8) bildet dann ein systematischer Abschnitt mit auf charakteristische Bildmotive zugeschnittenen Erörterungen, die in sich dann wieder historisch vorgehen. Türk stellt hier fünf Felder von künstlerisch immer wieder behandelten, "paradigmatischen" Formen des Arbeitens mit typischen Beispielen und exemplarischen Interpretationen in ihrer zeitlichen Entwicklung vor: Gezeigt wird etwa, daß die Landarbeit (Pflügen, Säen, Ernten usw.) ein Zentralthema der gesamten Bildgeschichte bis etwa 1945 ist, wobei die Ambivalenz von Unterwerfung der Natur durch den Menschen und die gleichzeitige Unterworfenheit der Landarbeit unter die Naturwidrigkeiten ein durchgehendes Leitmotiv ist. Darstellungen der Textilarbeit zeigen demgegenüber für Klaus Türk an erster Stelle Momente geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung; Spinnen, Waschen, Bügeln und Nähen werden häufig als typisch weiblich definiert, wohingegen die Arbeit am Webstuhl seit dem Mittelalter (z.T. entgegen der realen gesellschaftlichen Praxis) häufig dem Mann zugewiesen wird. Das Schmieden erweist sich als immer wieder hochgradig "symbolisch überfrachteter" und mythisch überhöhter Bildgegenstand. Der (männliche) Schmied dient dabei in allen Epochen als Symbol für Kraft, Größe, Macht und Kampfgeist; Frauen kommen durchaus vor, sind aber durchwegs lediglich garnierende Beobachterinnen der harten Schmiedearbeit des Mannes. In Bildern zum Thema Bauen werden für Türk zwei gegensätzliche Perspektiven deutlich: zum einen erscheint der Mensch dort als homo faber, als heroischer Schöpfer und genialer Konstrukteur, zum anderen aber immer wieder auch als animal laborans mit deutlicher Betonung von Arbeit als "labor" und erdrückende Qual. Genau bei diesem Thema meint Türk dann auch mit dem berühmten Gemälde ´Die Steinklopfer´ von Courbet die "erste gemalte Ausdrucksform von Proletarität" (S. 90) zu finden. Kapitel 7 greift danach die für Türk ebenfalls paradigmatischen Arbeitsformen des Tragens und Ziehens auf. Diese Motive symbolisieren für ihn besonders stark die soziale Lage der unteren Klassen zur Zeit der Industrialisierung (schwere Arbeit, Schinderei, Arbeitsleid) und machen die Degradierung des Arbeiters zum bloßen Werkzeug besonders plastisch: Einer muß die Leiden der Welt auf seinem Rücken tragen! Den Abschluß bildet das Thema Arbeitspause. Interessant ist dabei, daß Bilder zur Arbeitsunterbrechung und zur Mahlzeit während der Arbeit fast ausschließlich erst nach 1800 entstehen. Für viele Künstler verweist offensichtlich gerade das Innehalten während einer Tätigkeit auf das Typische an der Arbeit und nicht zuletzt auf sich darin ausdrückende gesellschaftliche Verhältnisse. Mit den folgenden Abschnitten (Kapitel 9 - 14) wechselt die Methodik des Buchs. Jetzt geht es um eine historische Behandlung der Entwicklung künstlerischer Bilddarstellungen von Arbeit im Zuge der Industrialisierung, von der Protoindustrialisierung im 16. Jahrhundert bis in die neueste Gegenwart. Dieser mehr als zwei Drittel des Buchs ausmachende zweite Schwerpunkt mit Bildern zu verschiedenen sozialhistorischen Phasen industrieller Arbeit rechtfertigt sich nicht nur durch die mit der modernen Arbeit entstehende regelrechte Bilderflut, sondern auch dadurch, daß zur künstlerischen Darstellung industrieller Arbeitsverhältnisse nur wenige umfassendere Arbeiten vorliegen und sich Türk (als Soziologe, der sich seit langem mit moderner Arbeit und Organisation beschäftigt) zudem hier besonders zuhause fühlt. Bei genauerem Hinsehen erkennt man dann jedoch, daß sich das Buch keineswegs allein vom historischen Verlauf leiten läßt, sondern die historischen Abschnitte nutzt, um phasentypische Bildfunktionen, Genres und Darstellungsstile hervorzuheben: Der Schwerpunkt beginnt unter der Überschrift "Verfleissigung, Technologisierung, Organisierung" mit einem Abschnitt zu frühen Arbeitsbildern angesichts der ersten Formen (proto-) industrieller Produktion vom 16. Jahrhundert bis zur unmittelbaren Vorgeschichte der Industrialisierung im Übergang zum 18. Jahrhundert. Gezeigt werden Beispiele mittelalterlicher Handwerksdarstellungen und insbesondere der berühmten Ständebücher mit ihren enzyklopädischen Beschreibungen und Illustrationen zu den Gewerben der Zeit, frühe Kaufmannsdarstellungen und bildliche Kaufanreize ("Kaufrufe") sowie die ersten systematischen Darstellungen von Technologien und Manufakturen, den Vorläufern späterer Fabriken. "Industrie als Spektakel" ist für Türk das Leitmotiv der Arbeitsbilder von der Jahrhundertwende bis zum Beginn der eigentlichen Industrialisierung um 1875. Die Darstellungen transportieren deutlich die Faszination der Zeit angesichts der noch im spätfeudalen Kontext entstehenden erstaunlichen Produktivkraftsprünge und ihrer sich abzeichnenden sozialen Umwälzungen bis hin zu den ersten drastischen Eingriffen in die natürliche Umwelt, die sich mit dem industriellen Landschaftsbild sogar in einem eigenen Genre niederschlagen. Die erste Hochphase der Industriellen Revolution von den 1870er Jahren bis zum ersten Weltkrieg stellt das Buch unter die Überschrift "Industrielle Realismen". Die Bilder berichten eindringlich von Arbeitsstolz und Arbeitselend, von kitschiger Heroisierung und chauvinistischer Überhöhung der industriellen Arbeit, von Klassen- und Arbeitskampf angesichts von Arbeitslosigkeit und harter Ausbeutung der proletarisierten Massenarbeiter, vom stilistischen Kontrast feinsinniger impressionistischer Arbeitsstudien und drastischer expressionistischer Sozialkritik. Mit "Kampf der Bilder" charakterisiert Türk die Zeit der zwei großen industrialisierten Kriege und der damals entstehenden Arbeitsbilder. Daß es hier erneut, aber auf ganz neuer Stufe, um arbeitende Menschen an Maschinen und in riesigen Fabrikkonglomeraten geht, daß die Bilder auf der einen Seite harte Sozialkritik transportieren und Arbeitsleid, Arbeitslosigkeit sowie den Arbeitskampf thematisieren, auf der anderen Seite aber von der Indienstnahme der Kunst für eine faschistische Arbeitsideologie berichten, all das erwartet man und ist doch von vielen Bildern beeindruckt. Mit einem Sprung über den Atlantik und zu den "Amerikanischen Realismen" unterbricht Türk anschließend die historische Logik dieses Abschnitts. Die Bilder der Arbeit in dem Land, das spätestens zur Jahrhundertwende die Führung im Industrialisierungsprozeß übernimmt, dürfen natürlich nicht übergangen, können aber auch nicht umfassend dargestellt werden. Trotzdem geht es noch einmal zurück, zumindest bis ins 19. Jahrhundert, um einen auf zentrale Beispiele eingegrenzten Kurzüberblick der US-amerikanischen Kunstgeschichte zum Thema Arbeit bis hin zu Roy Lichtenstein zu präsentieren. Auch in den USA finden sich dezidiert sozialkritische Arbeiten, wie auf der anderen Seite aber auch erstaunliche bildhafte Selbstüberhöhungen des Industriekapitals, etwa in der Auftragsarbeit des kommunistischen Künstlers Rivera für Henry Ford, die zu den berühmten Detroit-Industry-Fresken führte. Das Buch schließt mit einer Rückkehr ins Nachkriegsdeutschland. Auch hier kann es nur um ausgewählte bildliche "Perspektiven industrieller Arbeit in Deutschland seit 1945" gehen. Es finden sich Beispiele einer aus heutiger Sicht erstaunlich vielfältigen Kunst der fünfziger Jahre neben (leider viel zu wenigen) Bildern zum Thema Arbeit und Industrie aus der ehemaligen DDR. Dominiert wird das Kapitel jedoch von der sich stilistisch stark ausdifferenzierenden Kunst der sechziger und siebziger Jahre, auch wenn am Ende noch einige Beispiele der aktuellsten Bildentwicklung aufgenommen werden. "Bilder der Arbeit" ist ohne Zweifel ein beeindruckendes Buch. Es gibt momentan kein vergleichbares Werk, das so viele Kunstdokumente zum Thema Arbeit abbildet und dem Leser mit systematischen (themenfeldbezogenen) und historischen Interpretationen erschließt. Das Buch ist technisch hervorragend aufgemacht; vor allem die Qualität der Bildwiedergabe ist makellos. Viele der Bilder hätte man sich gerne größer gewünscht, aber (ganz abgesehen von den technischen und finanziellen Grenzen), der Band versteht sich insgesamt dann doch mehr als Überblick, als daß er durchgehend Gelegenheit zur detaillierten Betrachtung böte. So schön und faszinierend das Buch damit ist, einige kritische Anmerkungen seien erlaubt: Auf den ersten Blick bescheiden gibt sich die Definition des Vorhabens als "kommentierender Bildband", der nicht mehr sein will, als eine "ikonographische Anthologie (eine ´Blütenlese´ also)": "Es ist weder eine rein spezialwissenschaftlich-soziologische Untersuchung noch ein reiner Dokumentationsband, noch eine Sozial- und Kulturgeschichte der Arbeit, noch eine kunstwissenschaftliche Analyse eines speziellen ikonographischen Feldes, noch ein bloßer Band mit vielen bunten unterhaltsamen Bildern. Das Buch ist all dies nicht, hat aber doch von allem diesem jeweils etwas." (S. 14). Und genau die damit entstehende Unentschiedenheit zwischen (nicht durchgehaltener) Bescheidenheit und hohem interpretatorischem Anspruch (der dann nicht systematisch eingelöst wird) begleitet den Leser durch das ganze Buch. Dies zeigt sich vor allem bei der Art, wie hin und wieder Bilder besprochen werden. Insbesondere Rezipienten mit nicht-soziologischer, z.B. kunstwissenschaftlicher Perspektive fallen (wie Rückfragen einhellig zeigten) manche etwas vordergründig an einzelnen Bildgehalten ansetzende Interpretationen auf, die zum Teil sehr dezidierte Aussagen machen, diese aber nicht weiter entwickeln und begründen. In erster Linie sind es dabei immer wieder zu findende, stark herrschaftssoziologisch (und herrschaftskritisch) inspirierte Kommentare, die überraschen. Wer mit den anderen Arbeiten Türks vertraut ist, erkennt mit Interesse große Parallelen, andere Leser sind wohl eher irritiert. Dieser Tenor der Interpretation gibt dem Buch zwar einen spezifischen und durchaus originellen Stil; nicht wenige der Anmerkungen wirken jedoch in ihrer unvermeidlichen Kürze wie vorschnell soziologisierende ad-hoc-Deutungen, vor allem dann, wenn sie mit handfesten Wertungen einhergehen. Das führt manchmal zu ziemlich harschen Urteilen, etwa wenn es (um einige Beispiele aus einer Passage zu nennen, in der sich deutliche Wertungen besonders häufen) zu einem Bild abfällig heißt, " ... über Plontkes Versuch braucht man eigentlich kein Wort zu verlieren", oder wenn eine mit dem Tragen von Getreidebündeln beschäftigte Arbeiterin in einer Abbildung mit unverständlicher Ironie als "angebliche Ährenleserin" beschrieben und anderen Bildern auf der selben Seite umstandslos "Versüßlichungen", "Trivialisierung", "Unbeholfenheit", "sentimentale Plagiierung" oder Bedienung der "Publikumswünsche" vorgehalten wird (alle S. 51). Im Gegenzug gibt es dann aber gelegentlich auch üppiges Lob, wenn Bilder Sympathie finden, etwa bei den markant gesellschaftskritischen Motiven des politischen Konstruktivismus, für die es mit breiter Zustimmungen heißt, sie seien "Bild gewordene Soziologie" (S. 255). In solchen Beispielen werden letztlich eher persönliche Abneigungen oder Vorlieben gegenüber Bildaussagen oder Stilrichtungen deutlich, als daß man analytisch distanziert mit klarer Zielsetzung entwickelte, ausgewogene Interpretationen attestieren könnte. Gleichwohl bieten viele der Bildbesprechungen und vor allem dann die übergreifenden Kommentierungen von Abschnitten mit der angelegten (arbeits-) soziologischen Perspektive aufschlußreiche Blicke auf die Verhältnisse der jeweiligen Zeit. Der für eine Kunstbetrachtung ungewöhnliche Blick des Gesellschaftswissenschaftlers erweist sich trotz der genannten Einschränkungen insgesamt als durchaus erhellend, um das riesige Feld historischer Arbeitsabbildungen aufzuschließen; denn ganz eindeutig ist die Geschichte der ´Bilder der Arbeit´, wie das Buch anschaulich vorführt, eine Parallelentwicklung zur Sozialgeschichte der Arbeit mit eigener Logik - eine tiefergehende systematische Analyse dessen darf man aber nicht erwarten. Generell kann man bei Türks Buch den Eindruck bekommen, daß es der Autor angesichts der Fülle seines Materials nicht übers Herz gebracht hat, sich für ein bestimmtes analytisches Vorgehen und damit dann für eine unvermeidliche perspektivische Selbstbeschränkung zu entscheiden. Folge ist, daß man tatsächlich (wie es ja eingangs explizit heißt) von vielem etwas findet, aber nichts konsequent ausgearbeitet wird. Die Rezensenten konnten dies zwar persönlich gut nachvollziehen und ließen sich gerne von der Faszination angesichts der üppigen Bilderflut anstecken. Der streng fachlich ausgerichtete Leser wird jedoch (je nach Richtung unterschiedlich) so manches finden, was ihm aufstößt. Wir zumindest haben jedoch "Bilder der Arbeit" immer wieder nur allzu gerne in die Hand genommen, um darin mit großer Lust an den Bildern und mit berechtigter Hoffnung auf interessante Einsichten zur Geschichte der Arbeit zu stöbern. Dem Buch sind ohne Abstriche viele Leser zu wünschen; ein fester Platz in allen Fachbibliotheken ist ihm ohnehin sicher. abstract: The proposed essay is to be a review of Pictures of Labour (Bilder der Arbeit), a remarkable volume in which the Wuppertal-based organisational sociologist Klaus Türk presents a comprehensive collection of artistic representations of human labour. The book is based on more than one thousand pictures related to the theme of work, especially in heavy industry, some of which are being made available to a wide audience for the first time. The volume concentrates on frequently found, typical themes, thus offering an historical overview of the development of the graphic representation of labour. The design, approach, and structure of the luxurious volume is to be reviewed in detail. On the whole, Türk's fascinating book is quite praiseworthy. However, criticism will be directed toward his repeated, sociological and unabashedly normative interpretations of particular illustrations.